In der letzten Woche ging es in großen Schritten der Fertigstellung entgegen. Nachdem ich in den zurückliegenden acht Wochen wegen vieler Überstunden kaum zum Schrauben gekommen bin, konnte ich nun drei Tage freinehmen, um genau das nachzuholen. Die Fortschritte beim Am-Stück-Arbeiten waren so groß, dass ich sogar die Teilnahme an einer Ausfahrt durch den Odenwald am vergangenen Sonntag als erreichbar wähnte und die Nacht von Freitag auf Samstag durchmachte. Doch der Reihe nach...
An das letzte Bild in meinem vorangegangenen Beitrag anknüpfend springe ich hier direkt zum Verschrauben der Antriebswelle mit der Radnabe:
Der mit dem Pfeil markierte Hebel gehört übrigens zur automatischen Leuchtweitenregelung, die tatsächlich immer noch funktioniert!
Beim Remontieren der hinteren Radbremszylinder konnte ich glücklicherweise wieder auf die Hilfe meines Coupé-fahrenden Beta-Kenners aus der Nachbarschaft bauen. Der integrierte Handbremsmechanismus besteht aus einer Spindel im Bremskolben, die über einen Exzenterhebel axial betätigt wird. Dazwischen befindet sich ein Druckstück, das nur dann in die äußere Nut der Spindel eingefädelt werden kann, wenn die für Vorspannung sorgenden Tellerfedern auf der Spindel auf Block gepresst sind. Hier ein Bild aus dem letzten Jahr nach Demontage:
Dazu haben wir den Bremskolben aus dem Zylinder entfernt und mit einer auf dem Zylinderbund liegenden Stahlplatte und einer Schraubzwinge gegen das höhere Ende der Spindelnut gearbeitet. Leider habe ich vor lauter Kniffelei und Freude über das Gelingen vergessen, Bilder zu machen. Das holte ich beim Zurückschieben der Bremszange an den Zylinder nach. Dazu habe ich nach RLF mittels einer Schraube die Vorspannung in der Zange aufgehoben und den Rest dann mit dem Schraubstock vollendet:
Der in meinem Bordwerkzeug gefundene M12x1,25-Bolzen leistete gute Dienste beim Aufsetzen der Bremsscheiben:
Von den neu bestellten Bremsschläuchen hatten die für den Nur-Vorderachse-Kreis die falschen Gummipuffer (kurz und dick, Bild mitte). Ich brauche sie dünner und mit breiterer Nut, so wie bei den anderen Schläuchen für den Mischkreis, um sie ordentlich am Federbein befestigen zu können. Daher habe ich die falschen Puffer mit Spüli und viel Kraft abgezogen und die alten, passenden vom abgeschnittenen Schrottschlauch mit Spüli und noch mehr Kraft aufgeschoben (Bild oben):
Hier ist die komplette Bremse vorne links. Die im Hintergrund zu sehende Gummitülle um die Spurstangen ist übrigens formschlüssig in den gebördelten Rand des Radhausausschnitts gefügt. Jede hat mich eine halbe Stunde unmenschlicher Frickelei, blaue Flecken und tausend Flüche gekostet, doch am Ende waren sie an Ort und Stelle (im Gegensatz übrigens zum Ankaufzustand!):
Mittlerweile war es Samstag und es wurde wieder hell. Vogelgezwitscher begrüßte den neuen Tag. Jetzt nur noch die Bremse entlüften, den Motor zum Laufen bringen und die Spur einstellen lassen. Mit Eezibleed solange gespült, bis keine Bläschen mehr kamen. Trotzdem fühlte sich das Pedal merkwürdig schwammig an... Trotz fast vollem Tank wollte der Sprit erst nach vorne gepumpt werden, nachdem ich weitere 5 Liter aus einem Kanister nachgefüllt hatte: Motor lief!
Die Probefahrt war jedoch ein Katastrophe, da die Bremse kaum Wirkung zeigte! Zum weiteren Entlüften und Spureinstellen in einer Werkstatt war es mittlerweile zu spät. Damit fiel das Treffen mit Odenwaldausfahrt aus. Einerseits hat es mich geärgert, mich damit nicht belohnt haben zu können, andererseits war es vielleicht ganz gut so, dass ich nicht übernächtigt bei >35 °C über 150 km durch anspruchsvolles Geläuf fahren "musste". Der Termin hat mich immerhin angespornt, auch mal fertig zu werden! Genau dafür gibt es sie ja...
So konnte ich dann am Sonntag in aller Ruhe ein Frontblech und den aufgearbeiteten Kühlergrill einsetzen:
Zum Entlüften (laut RLF muss man hier vorne beginnen, im Gegensatz zu allen Autos, die ich kenne) und Spureinstellen ging ich in dieser Woche wieder in die bereits o. g. Werkstatt und durfte dort auch wieder die hydr. Presse benutzen, um zwei (von mir) falsch eingesetzte Silentbuchsen zu korrigieren. So soll's sein:
So war es:
So ist es:
Mittlerweile ist alles erledigt! Die Spur passt, das Lenkrad steht mittig, der Beta bremst gut und federt extrem komfortabel und schluckfreudig. Bedenklich ist das weiche Heck ab Landstraßentempo, aber daran gewöhne ich mich noch genauso wie an die kräftezehrende Lenkung. Nach all der vielen Arbeit macht das Fahren noch mehr Spaß - und auf den kommt es an!